MiSO e. V.
anlässlich der Kommunalwahlen 2016
12.08.2016
Das MigrantInnenSelbstOrganisationen Netzwerk Hannover e. V. (MiSO) stellt
anlässlich der Kommunalwahlen in Niedersachsen am 11.9.2016 folgende
Forderungen:

1. Angemessene Quotenregelung bei der Zusammensetzung der städtischen Gremien sowie der Verwaltung
Die Notwendigkeit der Erhöhung des Anteils der MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund in der Stadtverwaltung wurde bereits im Lokalen
Integrationsplan (LIP) von 2008 betont: „Die Landeshauptstadt Hannover setzt
sich grundsätzlich das Ziel, den Anteil von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund – auch in höher qualifizierten Positionen und in allen
Fachfunktionen – zu erhöhen“ (LIP, S. 111).
Insbesondere sollen sich politische Parteien verpflichten, dass Menschen mit
Migrationshintergrund im Stadtrat, in den Bezirksräten und in anderen politischen Gremien entsprechend ihrem prozentualen Anteil an der Gesamtzahl der BewohnerInnen der Landeshauptstadt Hannover (ca. 25 %) beteiligt werden. Die Vielfalt der Stadtgesellschaft sollte auf allen Ebenen der Politik und Verwaltung sichtbar werden.

2. Evaluation und Weiterentwicklung des Lokalen Integrationsplans
Der Lokale Integrationsplan (LIP) von 2008 enthielt seinerzeit viele positive
Ansätze und praktische Handlungsvorgaben. Er trug zur Aufklärung und
Sensibilisierung der Verwaltung und einschlägigen Institutionen bei und wertete Migrantenorganisationen auf.
Nach den Controlling-Berichten von 2010 und 2012 soll der LIP nun auch
angesichts der verstärkten Zuwanderung umfassend evaluiert, aktualisiert und
weiterentwickelt werden. Dabei sollen Migrantenorganisationen entsprechend
beteiligt werden.

3. Verstärkte Förderung von Migrantenorganisationen
Ca. 150 Migrantenorganisationen sind in Hannover aktiv. Sie leisten als Kultur- und Sprachvermittler eine unverzichtbare Integrationsarbeit. Sie haben ein enormes Fachwissen über das Alltagsleben und Bedürfnisse von Menschen mit Migrationshintergrund und von Geflüchteten. Zahlreiche Migrantenorganisationen werden größtenteils durch ehrenamtliche Arbeit getragen und besitzen beispielsweise nicht einmal eigene Büroräume. Zugleich leiden sie überwiegend unter einer strukturellen Benachteiligung.
Migrantenorganisationen sollten als Experten und Berater in der Migrationsarbeit verstärkt einbezogen werden und wesentlich mehr institutionelle Förderung erhalten.

4. Förderung der Bildungsbeteiligung
Der LIP weist auf die Notwendigkeit einer interkulturellen Öffnung der Bildungslandschaft (LIP, S. 12) hin und betont: „durch Bildungsmaßnahmen wird gesellschaftliche Integration und lebenslanges Lernen befördert (LIP, S. 23).
Um die Bildungsbeteiligung der Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern, soll eine engere Kooperation zwischen Bildungs- und
Weiterbildungseinrichtungen und einschlägigen Migrantenorganisationen ermöglicht werden. Diesbezüglich ist die Errichtung eines Runden Tisches in der Landeshauptstadt Hannover mit der Beteiligung aller relevanten Einrichtungen und Migrantenorganisationen erforderlich.

5. Förderung der Herkunftssprachen und deren Zulassung als 2. Fremdsprache bis zum Abitur
Die Aufwertung der Herkunftssprache ist ein wichtiger Aspekt für die Anerkennung und Wertschätzung von Menschen aus anderen Kulturen. Die Mehrsprachigkeit und Sprachkompetenz sind zugleich eine beachtliche Ressource. Darüber hinaus können diejenigen Kinder, die ihre Muttersprache in Wort und Schrift gut beherrschen, in der Regel schneller und nachhaltiger Deutsch lernen. Deshalb sollen möglichst viele Herkunftssprachen in den Schulen als 2. Fremdsprache bis zum Abitur zugelassen und anerkannt werden.
Die Landeshauptstadt Hannover hat sich bereits im LIP verpflichtet, sich beim Niedersächsischen Kultusministerium dafür einzusetzen, dass die Hauptherkunftssprachen als „reguläre prüfungsrelevante Fremdsprachen bis zum Abitur unterrichtet werden“ (LIP, S. 19).

6. Teilhabe am kulturellen Leben
Kulturangebote der kulturellen Institutionen sollen so vielfältig gestalten werden, dass sie für Menschen aus verschiedenen Kulturen ansprechend werden.
Darüber hinaus sollen alle Menschen unabhängig von Einkommen, Herkunft und Bildungsstand über alle Kulturangebote in der Stadt informiert werden und ihr Zugang zu kulturellen Institutionen soll erleichtert werden. Dabei besitzt
mehrsprachige Information einen wichtigen Stellenwert und muss weiter ausgebaut werden. Außerdem sollen die Rahmenbedingungen für KünstlerInnen mit Migrationshintergrund erheblich erleichtert werden, damit sie ihre Werke produzieren und anbieten können.
Die Teilhabe am kulturellen Leben von Menschen mit Migrationshintergrund sollte durch Zielvereinbarungen mit den städtischen Kultureinrichtungen, den Theatern und Museen verstärkt werden. Einschlägige Migrantenorganisationen sollten Ansprechpartner für Bildungs- und Kulturdezernat werden.

7. Förderung von älteren MigrantInnen
Die Anzahl älterer MigrantInnen nimmt kontinuierlich zu. Hingegen nimmt ihre Fähigkeit Deutsch zu lernen mit dem Alter ab. Dieser Fakt muss bei der Planung von Hilfs- und Pflegeangeboten künftig intensiver berücksichtigt werden. Der Handlungsbedarf ist umso nötiger, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass ältere MigrantInnen noch immer in vielen Bereichen wie Gesundheit, Wohnsituation und Einkommen schlechter gestellt sind als gleichaltrige Einheimische.
Deshalb sollen: – mehrsprachige Wegweiser für ältere MigrantInnen in Hannover, wie der 2013 erschienene „Seniorenkompass“ in sieben Sprachen, verstärkt gefördert werden. Solche mehrsprachigen Informationshefte sind keine einmalige Angelegenheit, sondern sollen ständig aktualisiert und weiterentwickelt werden. – mehrsprachiges Pflege- und Betreuungspersonal in Seniorenpflegeheimen eingesetzt werden. – mehr Begegnungsmöglichkeiten für ältere Menschen gleicher sowie verschiedener Herkunft geschaffen werden. – bestehende Seniorenbüros sich kulturell öffnen und Migrantenorganisationen in ihre Arbeit stärker einbeziehen.

8. Erhebliche Verbesserung der Unterbringung von Geflüchteten
Aktuell sind über 4.800 Geflüchtete in städtischen Unterkünften in Hannover untergebracht. Davon lebt ca. die Hälfte in den so genannten Notunterkünften.
Flüchtlingswohnheime und insbesondere die Notunterkünfte bedeuten eine soziale Ausgrenzung von Geflüchteten. Sie sollen nur als eine Notlösung und für eine möglichst kurze Zeit betrachtet werden.
Deswegen soll: – die dezentrale Unterbringung von Geflüchteten gezielt gefördert werden. – der soziale Wohnungsbau für alle einkommensschwachen
Bevölkerungsgruppen, zu denen Geflüchtete im besonderen Maße gehören,
entsprechend dem realen Bedarf dieser Gruppen massiv gefördert werden. – Geflüchteten von Anfang an gestattet sein, bei Freunden und Bekannten
unterzukommen.
Eine von der Stadtverwaltung unabhängige Kommission mit der Beteiligung von Flüchtlingsinitiativen sollte gegründet werden, die die Einhaltung von der Stadt festgelegten Standards für Flüchtlingsunterkünfte kontrollieren soll.

9. Sofortiger Zugang zu Sprachkursen und Qualifizierungsmaßnahmen für alle Geflüchteten
Trotz positiver Entwicklungen gibt es noch immer wenig Deutschkurse und Qualifizierungsmaßnahmen für Geflüchtete. Außerdem sind zahlreiche Asylsuchende und Geduldete mit zusätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert, einen Deutschkurs zu besuchen oder an Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen.
Beispielsweise werden noch immer Asylsuchende, die keine „gute
Bleibeperspektive“ haben, aus den BAMF-Integrationskursen ausgeschlossen. Viele Kurse sind dermaßen überfüllt, dass sie keine weiteren Teilnehmenden aufnehmen können.
Deshalb sollen: – weitere Förderprogramme für den Ausbau der Deutschkurse und Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt werden. – alle Geflüchteten, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus oder ihrer Bleibeperspektive, gleiche Rechte haben, an allen Deutschkursen
teilzunehmen. – gleichberechtigter Zugang zu Qualifizierungsmaßnahmen ermöglicht werden.

10. Gleiche Rechte auf den Zugang zum Arbeitsmarkt und Gesundheitswesen für Geflüchtete
Die Neuregelung vom November 2014, wonach Geflüchtete nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen, war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. In der Praxis sind aber Geflüchtete noch immer mit strukturellen
Problemen konfrontiert. Beispielsweise ist ihnen die Arbeitsaufnahme während ihres Aufenthalts in einer Erstaufnahmeeinrichtung verboten. Der Aufenthalt in
einer Erstaufnahmeeinrichtung kann aber wesentlich länger als drei Monate dauern.
Deshalb sollen: – alle Geflüchteten, die mehr als 3 Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung leben, auch während ihres Aufenthalts in der Erstaufnahmeeinrichtung arbeiten dürfen, unabhängig davon, ob sie einen Asylantrag gestellt haben oder nicht. – die Vorrangprüfung und Einschränkungen bei der Wohnungssuche, die die Auswahl des Arbeitsplatzes einschränken, abgeschafft werden.
Darüber hinaus soll ein gleichberechtigter Zugang zum Gesundheitswesen für alle Geflüchteten vom ersten Tag ihres Aufenthalts an gewährleistet werden. Die Kosten der Sprachvermittlung sollen durch den Staat übernommen werden.

11. Jährliche Migrationskonferenzen auf kommunaler Ebene
Für eine effektive Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund sollen neue Strukturen geschaffen werden. Ein zentrales Element der neuen Strukturen können jährliche städtische Migrationskonferenzen sein.
Dort werden:
a) Richtlinien für Migrationspolitik auf kommunaler Ebene erarbeitet, ein Forderungskatalog zusammengestellt und weitere Vereinbarungen für das Voranbringen der Migrationspolitik getroffen.
b) die VertreterInnen der Migrationskonferenz gewählt, die die Forderungen der Konferenz in die Politik hineintragen.
Die in den Konferenzen beschlossenen Richtlinien sind für die gewählten VertreterInnen bindend.
Die Teilnahme an Konferenzen soll für alle Personen und Gruppierungen, die im Migrationsbereich aktiv sind, möglich sein. Die Landeshauptstadt Hannover sollte die erforderlichen Mittel für die Organisierung der jährlichen
Migrationskonferenzen bereitstellen.

12. Kommunales Wahlrecht für Nicht-EU-BürgerInnen
Das Wahlrecht ist ein elementarer Bestandteil der politischen Teilhabe. Es ist ein Demokratiedefizit, dass über sieben Millionen Menschen mit ausländischem Pass, die zum Teil seit Jahrzehnten hier leben, nicht einmal das kommunale Wahlrecht besitzen.
Die Verweigerung des kommunalen Wahlrechts für Nicht-EU-BürgerInnen ist undemokratisch und nicht zeitgemäß. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 1990, wonach das Wahlrecht an die deutsche Staatsbürgerschaft gekoppelt ist, ist zumindest für das kommunale Wahlrecht längst überholt, denn hier haben auch EU-BürgerInnen – also Nicht-Deutsche – das Recht zu wählen.
Auch der niedersächsische Landtag hat sich im Juli 2015 mit großer Mehrheit für ein kommunales Wahlrecht für Nicht-EU-BürgerInnen ausgesprochen. Die entsprechend geplante Initiative im Bundesrat ist aber auf Eis gelegt. Die Landeshauptstadt Hannover und der niedersächsische Landtag sollen sich vehement dafür einsetzen, dass die Initiative auf die Tagesordnung des Bundestags gesetzt und letztendlich beschlossen wird.

13. Doppelte Staatsbürgerschaft für Nicht-EU-BürgerInnen
Es ist dringend erforderlich, dass nicht nur allen in Deutschland geborenen MigrantInnenkindern, sondern allen Menschen mit Migrationshintergrund, die die Voraussetzungen für die Einbürgerung erfüllen, ermöglicht wird, im Falle der Einbürgerung ihre bisherige Staatsangehörigkeit beibehalten zu dürfen. Dies erleichtert die Einbürgerung und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl mit der hiesigen Gesellschaft.
Seit Dezember 2014 müssen sich diejenigen MigrantInnenkinder, die ab 1990 hier geboren sind, ab dem 23. Lebensjahr nicht mehr zwischen der deutschen Staatsbürgerschaft und derjenigen ihrer Eltern entscheiden. Sie dürfen aber nur dann eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, wenn sie bis zum 21.
Lebensjahr sechs Jahre in Deutschland zur Schule gegangen sind oder acht Jahre hier gelebt haben. Diese Bedingungen schließen immerhin 10 % der hier geborenen MigrantInnenkinder aus und sollten abgeschafft werden.




Die Unterzeichner (Stand: 12.8.2016)

• Afrikanischer Dachverband Norddeutschland e.V.
• Arbeitskreis Bangladesch in Niedersachsen
• Asiatische Frauengruppe
• Bosniakische Kultur- und Sportgemeinschaft Hannover e.V.
• Can Arkadas e.V.
• Casa Latina Hannover e.V.
• Eviva e.V.
• Kulturzentrum Faust e.V.
• Flüchtlinghilfefond e.V.
• Georgische Migrantinnen und Migranten e.V. (GeMi)
IIK e.V.
• Integrationszentrum Mi.& V. e.V.
• Jessour e.V.
• kargah e.V.
• Kurden Komitee e.V.
• Kurdistan Volkshaus e.V.
• Tolstoi e.V.
• Ukrainischer Verein in Niedersachsen. e.V.
• Vietnamzentrum Hannover e.V.
• Indischer Verein Hannover e.V.

Weitere Unterzeichner

  • Netzwerk Flüchtlingshilfe und Menschenrechte e.V. (29.8.2016)

Das MiSO-Netzwerk Hannover e.V. freut sich, dass Vereine und Initiativen außerhalb von MiSO den Forderungskatalog unterstützen. Weitere Unterzeichner schreiben bitte eine E-Mail an info@miso-netzwerk.de


Zwei sehenswerte Ausstellungen im Freizeitheim Vahrenwald vom 18. Dezember 2017 bis zum 9. Februar 2018
14.12.2017
Ausstellung: Galway Kutter – Foto-Grafik
Im Jahr 2015 entdeckte Katrin Härtel einen alten Kutter an der irischen Westküste. In ihren Bildern beschäftigt sich die Grafikdesignerin mit der Frage, was passiert, wenn der Mensch aufhört, seine Energie einzubringen, weil er keinen Wert mehr schöpft. Anstelle der Schiffsbesatzung übernehmen Wind, Wasser und Sonne das Steuer. Ein Zersetzungsprozess beginnt. Durch ihre Arbeit stellt sie dem offensichtlichen Verfall etwas entgegen. Sie greift ein, fixiert den Zustand, unterbricht und verändert den ursprünglichen Prozess.
Dauer der Ausstellung: 18.12.17 bis 9.2.18
(Foto: Katrin Härtel)
MiSO e. V.
Aktueller Imagefilm aus dem samo.fa-Projekt spielt auch in Hannover
08.12.2017
04.12.2017
Gefördert von Landeshauptstadt Hannover und Lotto-Sport-Stiftung bietet die Ezidische Akademie erneut eine gezielte Förderung Geflüchteter an.
"Viele derer, die in Deutschland derzeit Zuflucht suchen, sind Eziden, darunter viele Familien mit Kindern. Sie treffen hier auf eine gut integrierte ezidische Gemeinde. Die Asylverfahren von Eziden enden meist mit einer Anerkennung. Nur die schnelle Integration ist der Ansatz, um die Zufluchtsuchenden auf wirtschaftlich selbstständige Beine zu stellen und um präventiv gesellschaftlichen Konflikten entgegenzuwirken.
Hier möchte die Ezidische Akademie e.V. als Migrantenorganisation mit sehr guten Zugangsmöglichkeiten zur Zielgruppe, der Stadt Hannover mit folgenden Angeboten unterstützend zur Seite stehen:
- Aufklärung über die Rechte und Pflichten auf dem deutschen Arbeitsmarkt
- Begleitung und Hilfe bei der Anerkennung der ausländischen Qualifikationen
- Vermittlung von Sprach- und Schreibkursen
- Unterstützung bei der Arbeitssuche und bei der erste Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber
- Erstellen von Bewerbungen mit Lebenslauf und Motivation
- Coaching für das Bewerbungsgespräch
- Computerkurse für den Umgang mit Word, Excel, Bildbearbeitung und neuen Medien
- Förderung der gegenseitigen interkulturellen Kompetenzen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern."
Das Angebot gilt ab dem 01.09.2017. Mehr Infos dazu können über info@ezidak.de erfragt werden.
Unter dieser Mailadresse kann auch ZEA - die Zeitschrift der Ezidischen Akademie - bestellt werden. Unlängst ist die 16. Ausgabe erschienen!

MiSO e. V.
Im Fokus des Abends am 30. November 2017 bei Kargah standen die Länder Sudan, Syrien, Türkei und Venezuela.
01.12.2017
"Menschenrechte weltweit": Eine Veranstaltung des MiSO-Netzwerks im Rahmen des des Bündnisses zum Tag der Menschenrechte 2017. Zu Beginn erinnerte MiSO-Geschäftsführer Jan-Egil Gubenis an die vorangegangene Veranstaltung vor genau einem Jahr. Damals war es um den Iran, Türkisch-Kurdistan, die Ukraine und Vietnam gegangen. Diesmal wurde die Menschenrechtslage im Sudan, in Syrien, der Türkei und Venezuela erörtert.
„Der tödlichste Punkt ist Europa“
22.11.2017
Informationsabend zur Situation von Geflüchteten in Libyen und auf dem Mittelmeer am 20.11.2017 in der FAUST-Warenannahme. Im Fokus: Die Abschottungspolitik der „Festung Europa“.

„Das liegt wohl am Regen“, meint Gastgeberin Lipi Ahmed von der Initiative interkultureller Kulturaustausch (IIK e.V.), als sich am Montagabend die Räumlichkeiten in der Warenannahme nur langsam füllen. Aber dann kommen doch rund 100 Interessierte zu dieser Bündnisveranstaltung im Rahmen des Tags der Menschenrechte 2017. Veranstalter sind neben der IIK auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V. und das Kulturzentrum FAUST.

„Der tödlichste Punkt ist Europa“, sagt Tankred Stöbe von Ärzte ohne Grenzen e.V., „doch im globalen Konzert der aufnehmenden Länder spielt unser Kontinent kaum eine Rolle“. Schwerpunkte bei den weltweit über 50 Millionen Flüchtlinge seien derzeit die Bewegungen von Myanmar nach Bangladesh und aus dem Südsudan nach Uganda. „„Für uns ist deshalb der globale Blick wichtig“, so Stöbe. Massenhaft gestorben allerdings würde im Mittelmeer. Hier ertrinken etwa zwei Prozent aller Bootsflüchtlinge. Allein auf der zentralen - der „tödlichsten“ - Route von Libyen nach Italien starben in diesem Jahr bereits 2.700 Menschen.

Ärzte ohne Grenzen beteiligt sich mit mehreren Schiffen an der Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. Vertreten ist dort auch - mit derzeit zwei Schiffen und einem Aufklärungsflugzeug - die privat gegründete Organisation Sea-Watch e.V.. Deren Fotograf Fabian Melder berichtet über die beständige Rettung aus zumeist mit bis zu 150 Menschen hoffnungslos überfüllten Schlauchbooten. Man sei vor der libyschen Küste außerhalb der Hoheitsgewässer aktiv, die Einsätze werden von einer Leitstelle für Seenotrettung in Rom koordiniert.

„Was hat sich in jüngster Zeit geändert“, fragt Melder in seinem Vortrag. Die Antworten: Rückzug der EU-Missionen, Kriminalisierung von Flüchtlingen und von Rettungsorganisationen, Finanzierung, Ausbildung und Aggression der libyschen Küstenwache. Letztere gehe zumeist äußerst brutal gegen Bootsflüchtlinge und auch gegen deren Retter vor. „Eine Beugung internationalen Rechts“, sagt Melder.

Der „humanitäre Arzt“ (Selbstbezeichnung) Stöbe pflichtet ihm bei: „Wir beobachten eine deutliche Kriminalisierung der Retter“. Etwa ein Dutzend NGOs (Nichtregierungsorganistionen) seien derzeit vor der libyschen Küste aktiv, die Arbeitsbedingungen hätten sich aber durch die Abkommen der Europäer mit afrikanischen Ländern wie dem „Failed State“ Libyen extrem erschwert. Es erscheine manchmal so, als ob die Schlepper von einst in der nun aus Europa gesponserten Küstenwache „ein neues Geschäftsmodell“ entdeckt hätten.

Spannend wird es in der an die beiden Vorträge anschließenden Podiumsdiskussion, die Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V. moderiert. „Wir müssen das Problem an der Wurzel packen“, meint die hannoversche Ratsfrau Georgia Jeschke, „und mit unseren Nachbarn in Afrika auf Augenhöhe zusammenarbeiten.“ Bei der Bekämpfung von Fluchtursachen müsse sich Europa „völlig neu aufstellen“.

Sabine Lösing, Europaabgeordnete der Linken, kontert: „Für Gespräche mit Libyen auf Augenhöhe fehlt mir die Phantasie!“. Millionengelder der EU gingen in „Border-control-Maßnahmen“. Bekämpfung von Fluchtursachen bedeute, so Lösing, Menschen an der Flucht zu hindern: „Das ist in hohem Maße problematisch und mit einem hohen Anspruch westlicher Werte nicht vereinbar“.

„Wir brauchen politische Mehrheiten, um zu überzeugen“, argumentiert Regierungsberater Gerald Knaus von der Europäischen Stabilitätsinitiative e.V. (ESI). Wichtig seien vor allem schnelle Asylverfahren, besonders auch für die in Italien und Griechenland angekommenen Flüchtlinge. Seine Rechtfertigung des EU-Türkei-Abkommens, an dessen Zustandekommen ESI mitgewirkt hat, stößt auf dem Podium und bei den Zuhörern im Saal auf Ablehnung. Nach fast dreistündiger Veranstaltung spricht eine Frau aus dem Publikum ihren Dank aus: „Das waren interessante Informationen, die weit über das hinaus gehen, was uns die Medien liefern“.

Wolfgang Becker
16.12.
Präsentiert von: LMDR e. V.
15 Uhr
Eintritt: frei
Epiphanias Kirchengemeinde
Hägewiesen 117
30657 Hannover
16.12.
Das Ezi-Fest (Cejna Ezi) ist der festliche Höhepunkt einer dreiwöchigen Fastenzeit...
Präsentiert von: Ezidische Akademie e. V.
16 Uhr
Eintritt: frei
Weißer Berg 3
31311 Uetze-Dedenhausen
© Foto: Ukrainischer Verein
17.12.
Seit dem Jahr 2006 präsentiert der ukrainische Chor „Kalyna“ ukrainische Kultur und insbesondere ukrainische Volkslieder auf verschiedenen Bühnen in Hannover und in ganz Niedersachsen.
Präsentiert von: UVN e. V.
16 Uhr
Eintritt: frei
Freizeitheim Vahrenwald
Vahrenwalder Str. 92
30165 Hannover
18.12.
für ehrenamtlich tätige Migrant*innen
Präsentiert von: kargah e. V.
16 - 19 Uhr
Eintritt: frei
Kargah e.V.
- Raum 6 -
Zur Bettfedernfabrik 1
30451 Hannover (Linden-Nord)
19.12.
Eine Lesung von Christian Jakob (taz)
Präsentiert von: ADV Nord e. V.
19 Uhr
Eintritt: frei
Kulturzentrum Pavillon
Lister Meile 4
30161 Hannover
20.12.
Die Nacht Yalda, voller Freude, Liebe und Lachen möchten wir feiern!
Präsentiert von: Afgh. Frauennetz e. V.
16:00 Uhr
Eintritt: frei
Kulturzentrum Pavillon
Lister Meile 4
30161 Hannover
20.12.
Eine Diskussionsveranstaltung mit Aktiven aus der LGBTIQ-Bürger*innenbewegungsgeschichte in Hannover.
Präsentiert von: FAUST e. V.
19 Uhr
Eintritt: frei
Kulturzentrum Faust
Der Nachbarin Café
Zur Bettfedernfabrik 3
30451 Hannover
© Foto: Katarzyna Dec-Merkle
08.01.
... zur Ausstellung "Stadtansichten - von Hannover nach Warschau"
Präsentiert von: FZH Vahrenwald
18 Uhr
Eintritt: frei
Freizeitheim Vahrenwald
Vahrenwalder Str. 92
30165 Hannover
© Foto: Tatiana Takusch
09.01.
"Träume, Inspirationen und Wahrnehmungen" - Öl- und Acryl-Bilder
Präsentiert von: FAUST e. V.
17 Uhr
Eintritt: frei
Kulturzentrum Faust
- Der Nachbarin Café -
Zur Bettfedernfabrik 3
30451 Hannover
13.01.
Statt steifer Hipster-Coolness will das Datscha Kollektiv proletarische Euphorie verbreiten!
Präsentiert von: FAUST e. V.
23:00 Uhr
Eintritt: 5 €
Kulturzentrum Faust
- Mephisto -
Zur Bettfedernfabrik.3
30451 Hannover
© Foto: Hannes Henkelmann
23.02.
Über 300 Reisende nahmen an der Freundschafts- und Friedensfahrt Druschba teil...
Präsentiert von: FZH Vahrenwald
18 Uhr
Eintritt: frei
Freizeitheim Vahrenwald
Vahrenwalder Str. 92
30165 Hannover
© Foto: Tolstoi e.V.
25.02.
Im Rahmen des Deutsch-Russischen Kulturfrühlings ...
Präsentiert von: Tolstoi e. V. Hannover
15 Uhr
Eintritt: 5 €, mit Hannover-Pass 2,50 €
Freizeitheim Vahrenwald
Vahrenwalder Str. 92
30165 Hannover
© Foto: Bernd Ellerbrock
01.03.
Wie ein blaues Band zieht sich die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands 325 Kilometer durch die norddeutsche Tiefebene: der Mittellandkanal.
Präsentiert von: FZH Vahrenwald
18:30 Uhr
Eintritt: 5 €, mit Hannover-Aktiv-Pass 2,50 €
Freizeitheim Vahrenwald
Vahrenwalder Str. 92
30165 Hannover

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